Stadt der Keramik
Boles³awiec(deutsch: Bunzlau) ist eine Stadt im Westen Polens in der Woiwodschaft Niederschlesien. Sie liegt rund 75 km südlich von Grünberg und 130 km östlich von Dresden am Bober. Außerdem ist die rund 40000 Einwohner zählende Stadt Sitz des gleichnamigen Landkreises. Der Landkreis Bunzlau gehört der Euregion Neiße anund bildet außerhalb der Stadt eine gleichnamige Landgemeinde.Boles³awiec ist vor allem für die Bunzlauer Keramik und den deutschen Barockdichter Martin Opitz bekannt.
Keramische Erzeugnisse aus der Stadt Bunzlau in Niederschlesien (heute poln. Boles³awiec) und ihrer Umgebung hatten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges eine große wirtschaftliche Bedeutung und waren darüber hinaus mit ihrem typischen Dekor stilbildend. Ein besonderer Vorzug dieser Tonwaren, zum Beispiel im Vergleich zu Höhr-Grenzhausen/Westerwald, war ehedem ihre Feuerfestigkeit. Damit konnten aus diesem fast weiß bis leicht ocker brennenden Scherben Koch- und Schmortöpfe sowie Kannen zum Warmhalten der Getränke auf der Herdplatte hergestellt werden. Bunzlauer Keramik, vor allem das Braunzeug, fand weite Verbreitung, nicht nur in Deutschland, sondern wurde auch nach Skandinavien, England, Holland, die Schweiz, selbst nach Übersee exportiert.
Der Vorzug der Feuerfestigkeit verlor allerdings mit der Einführung von emaillierten Gusseisen- und Stahlblechtöpfen und schließlich von solchen Gerätschaften aus Aluminium zum Beginn des 20. Jahrhunderts weitgehend an Bedeutung. Auch manches andere wurde durch neue Formen der Lebensmittelversorgung überflüssig: Vorratsgefäße verloren ihre Bedeutung durch bessere Versorgungswege, insbesondere in den Städten. Essensträger für die Land- und Fabrikarbeiter wurden schließlich nicht mehr benötigt.
Neuerungen im Töpferhandwerk förderte die 1898 in Bunzlau nach österreichischem Vorbild gegründete Königliche, später Staatliche Keramische Fachschule. Bis zuletzt gab es neben der industriellen Fertigung in Bunzlau und Umgebung eine Vielzahl von Handtöpfereien in Familienbesitz, die auf der Scheibe drehten bzw. in Gipsformen gossen. In unmittelbarer Konkurrenz zu den Töpfereien in der Stadt Bunzlau standen die Werkstätten in der Nachbarschaft, die durch abgewanderte Töpfer gegründet wurden (z. B. in Naumburg am Queis, Tillendorf, Ullersdorf).
Die Töpfer in Bunzlau und Umgebung versuchten sich deshalb mit dem Markenstempel Manufaktura Boles³awiec zu schützen. Herstellermarken findet man vorzugsweise auf den mehr industriell gefertigten Produkten; auf älteren, insbesondere auf der Töpferscheibe gedrehten Tonwaren fehlen sie.
Mit der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung Niederschlesiens fand die Produktion ein jähes Ende. Altes Bunzlauer Geschirr ist heute noch in vielen Haushalten und auf Flohmärkten und Auktionen zu finden.
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